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Als ich vor kurzem, rein zufällig, ein Klettermagazin in Händen hielt und es so langsam, eh nur die Bilder und deren Untertitel betrachtend, durchblätterte, da stießen einige wirre Gedanken in mir auf.
Es wurde über eine alpine Mehrseillängenroute in der Schweiz (in Zukunft soll man ja nur mehr von „Multi-pitsch-Abenteuern" sprechen) berichtet, wonach die Linie das Meisterwerk schlechthin sein soll.
„Überhängend, ausdauernd, teuflisch schwer, das jemals schwerste gekletterte Stück eines Schweizers ...."
Es roch nur so nach Superlativen.
Die Schwierigkeitsschlacht in der Kletterwelt hat begonnen ...
Als ich dann von Pakistan zurückkam da wurde ich sehr oft auf „Woman and Chalk" angesprochen. Die Route, von Bubu Bole 2001 bewertet, enthält eine 8a Seillänge auf knapp 5.500 m. Einige verlangten von mir, dass ich ihnen nun exakt über die Schwierigkeit dieser einzigen Seillänge Auskunft geben soll und am besten auch noch gehörig abwerten sollte. Doch ich wollte das Abenteuer einfach nicht auf diese eine Seillänge zurückschrumpfen lassen. Klar habe ich auch die Schlüsselseillänge in Erinnerung, doch primär geht es doch um DAS ERLEBNIS. Dann ist es mir auch egal wie schwer oder spektakulär Einzelstellen sind. Doch ich ertappe mich ja auch immer wieder dabei. Wäre „Woman and Chalk" nur 6c, vielleicht hätte ich die Idee gar nie aufgegriffen die Route zu versuchen. Wer weiß ...
Irgendwie kommt mir vor, dass wir in eine Zeit gekommen sind, wo viele, wie fleißige Bienen ausschwärmen, um sich den Titel des Stärksten abzuholen. Klettert jemand irgendwo eine Route im achten Franzosengrad, so ist das kaum noch etwas. Doch vielleicht sollten wir uns bewusst machen, dass unser Kletterherz nicht nur von Zahlen lebt sondern vielmehr von schönen, unvergesslichen Erlebnissen.
Hansjörg Auer
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