Der Ruf des Muezzins hallt über den Hafen von Muskat. Eine warme Brise streift vom Ozean her die Dachterrasse des Hotels Marina, wo sich 7 Köpfe gerade an einer Fischplatte die Bäuche voll schlagen. Unglaublich, dass es sich schon um den letzten Tage eines genialen Trips handelt. Für 5 dieser 7 gilt es, diese Augenblicke zu genießen, bevor sie physisch und mental wieder in den heimatlichen Alltag eintauchen.
3 Wochen lang verbrachte eine Delegation Ötztaler Kletterer (Barbara, Heiko, Hansjörg, Markus und Thomas) unter der Aufsicht und Führung von Semi-Local Joggl Oberhauser mit seiner Gefährtin Heidi van Wettstein im Sultanat Oman. Wer hätte gedacht, dass in diesem orientalischem Land, wo Geschichten von Ali Baba und den 40 Räubern und Sindbad dem Seefahrer ihre Wurzeln haben, auch Klettergeschichte geschrieben werden kann...
Die meiste Zeit der Rundreise verbrachten sie im western Hajar, einem mächtigen Gebirgszug, dessen höchste Gipfel bis knapp 3000m ragen. Die Klettereien finden sich ausschließlich in Karbonatgestein unterschiedlicher Ausbildung und Varietät.
Wadi Bani Awf
Das Sportklettergebiet La Georgette liegt nahe der idyllischen Oase Balad Seet im zentralen Teil des western Hajar und erwies sich als ideal, um die ersten moves zu machen. Nach Wiederholungen der bestehenden Routen (bis 7c) eröffneten sie eine neue super Linie, die Hansjörg, Babsi und Markus bald punkten konnten („40 Räuber" 8b). Durch das Anfeuern neugieriger einheimischer Jungs und nicht zuletzt durch die orientalischen Sounds aus ihren Mobiltelefonen wurden die Kletterer regelrecht gepuscht. Neben Klettereien in der Schlucht wurde auch die eine oder andere Route (bis 7b) an der ca. 150m hohen Rotweinwand geklettert. Kurz vor Aufbruch zum nächsten Gebiet gab es noch eine Führung von Joggl in die Snake Gorge, wo links und rechts bis zu 500m hohe Wände emporragen mit Linien ohne Ende und grenzgenialem Fels...
Jabel Shams Plateau
Es erinnert an Bilder vom Grand Canyon, wenn man vom Jabel Shams Plateau hinabblickt in die Tiefen der stufenförmig abbrechenden Schlucht. Ein Klettersteig führt hinab in eine atemberaubende Arena aus steilem Fels, wo sogleich eine offensichtliche logische Linie durch einen versinterten, mit Stalaktiten verhangenen Bereich auserkoren und von oben eingerichtet wurde. Hansjörg und Thomi staunten nicht schlecht als sich die wahre Steilheit diese Wand zeigte: auf 100m vertikale Länge lädt dieser Bereich mindestens 50m horizontal aus!
In üblicher Manier konnte Hansjörg diese eindrucksvolle Linie nach kurzer Zeit knacken und zeichnet sich durch diese Leistung einmal mehr aus. Das Ergebnis lautet: „Al Hamar" 8b, 8a, 7a. Weiters wurden hier 2 weitere Linien durch Babsi und Hansjörg bzw. Heiko und Thomi in klassischem Stile erstbegangen und clean hinterlassen.
Auch am Ausgang dieses Canyons bei Ghul fanden sich irre Wände mit etlichen Linien. Während sich die Mädls beim shopping im Dorf vergnügten, eröffneten Joggl und Heiko die 3 Sl. Route „Oman calling" 6b+.
Jabel Misht
Das gewaltige Massiv des „Kamm-Berges" Jabel Misht mit seiner mehreren km langen und bis zu 1200m hohen Ost- bzw. Südwand stellt ein weiteres Highlight dieser Reise dar. Nach der Wiederholung der schönen Südtiroler-Route „Shukran" erfüllten Hansjörg und Thomas dem Tourguide Joggl den Wunsch, sein Projekt durch eine Dachzone der Südwand zu vollenden. Nach 7 Stunden Kletterzeit erreichten die drei das Ende dieser wirklich genialen Linie („Flying Pegs" 1000m, 8+). Währenddessen tobte sich der Rest der Gruppe in der gegenüberliegenden Bergkette (unter Kletterern als Pala bekannt) aus, wo auch so manches Neuland erschlossen (z.B. „From halfpipe to pipe" 6+ durch Markus und Joggl) und so manche Route wiederholt wurde. Am Silvesterabend gesellten sich die kreuz und quer durch den Oman düsenden Freunde Romed und Michaela zu den Ötztalern und mit den letzten Tropfen Famous Grouse und einem warmen glas Milch wurde aufs neue Jahr angestoßen.
Auf dem Weg ins eastern Hajar machte die Truppe eindrucksvolle Erlebnisse und Erfahrungen, sei es beim Canyoning im Wadi bani Khalid, bei einer Wüstenralley oder beim Boarden und Skifahren über steile Dünen. Der Blick auf eine eierlegende Riesenschildkröte blieb ihnen zwar verwehrt, doch der Anblick eines frisch geschlüpften kleinen Turtle stellte die Erwartungen doch noch zufrieden. Auch fluoreszierende Algen, die wie leuchtgrüne Blitze die Brandung erhellten, machten diesen Abend zu einem unvergesslichen...
Wadi Tiwi
Betrachtet man die bis zu 500m hohen Wände und berührt man den rauhen, kompakten Fels, den diese Wände aufbauen, so nimmt man die beschwerliche holprige Fahrt bis zur letzten Oase im Wadi Tiwi gerne in Kauf. Joggl, Heidi und Babsi kletterten eine neue Linie durch eine sensationelle löchrige Wandpartie „Die blinde Dattel" 400m, 6), Thomas und Hansjörg folgten Rissspuren auf einen Traum-Pfeiler („Ring of fire" 250m, 7+), während Heiko und Markus eine steile Wandpartie über 550m bis 7a gegenüber in Angriff nahmen.
Muskat DWS
Zum Abschluss kamen die sieben noch in den Genuss, sich über tiefblauem Salzwasser an steilem Fels zu versuchen - deep water soloing. Während die einen mühsam schwere Züge wieder abkletterten bzw. erst gar nicht weit hinauf kletterten aus Furcht vor dem unergründlichen Nass, hatten andere an der Sache sichtlich Spaß.
Mit unvergesslichen Erinnerungen an dieses für absolut klettertauglich erklärtes Land und mit großer Danksagung an unseren Freund Joggl ging's wieder ab in die Heimat.
Text: Tommi Scheiber
Bilder: Heiko Wilhelm
Gallery zum Oman ...
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