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Trad Climbing im Norden Europas Drucken E-Mail
Dienstag, 30. September 2008

NordeuropaGemeinsam zogen Gerhard und Clemens unlängst in den hohen Norden um dort das Kletterpotential zu erkunden. Wie es ihnen dabei ergangen ist, was sie alles erlebt haben und welche Eindrücke sie mitgenommen haben, berichtet Gerry uns hier auf oetztalclimbing.com.

Im August, eigentlich in der Zeit, in der man bei uns in den Alpen perfekte Bedingungen zum Klettern vorfindet, zog es Clemens Scheiber und mich dieses Jahr für fast vier Wochen in den deutlich Wetter unbeständigeren Norden Europas.

Unser erster Boxenstopp sollte der National Park Peak District sein, der zwischen Manchester und Sheffield im Zentrum der britischen Insel liegt und der älteste National Park des Landes ist.

NordeuropaAm 11. August 08, nach einer kurzen Erläuterung, dass 20 kg + 22 kg + 13 kg nicht 2x20 kg ergibt und einem Schein weniger in der Geldtasche, setzten wir in Manchester auf der Landebahn auf und...es regnete.

Ein bisschen deprimiert brachte uns eine umweltfreundliche Diesellok nach Hathersage zu Little John's Grab und unserem Campingplatz, auf dem wir umgeben von Topgebieten wie Stanage, Higgar Tor, Millstone, Curbar und Co. die nächsten zwei Wochen verbringen sollten.

Nach leichten Startschwierigkeiten und mit nur einer kleinen Unterbrechung, zeigte sich das Wetter dann, zumindest für englische Verhältnisse, doch von seiner besseren Seite.

Unmotorisiert, wie es sich für Schüler und Studenten gehört, dafür aber umso mehr motiviert, schafften wir es in 14 Tagen an zehn Tagen die Kletterschuhe anzuhaben und dabei in sechs verschiedenen Gebieten den einen oder anderen Gritstoneklassiker zu klettern.

Unter anderem gelangen mir dort mit „London Wall E56a" und „White Wall E56b" zwei ganz bekannte Routen im Grad E5 und einige weitere Klassiker wie „Calvary", „Coventry Street", „Old Friends", usw. Auch Clemens trauerte den Bolts nicht lange nach und kletterte Klassiker wie „Regent Street"  und „Black Hawk Bastion".

NordeuropaAlle Routen wurden in einem „fairen" Stil von unten geklettert und außer bei der „London Wall" wurden auch die Sicherungsmittel immer während des Kletterns platziert.

Nach dem zweiwöchigen Aufenthalt in England, in dem wie gesagt natürlich viel geklettert wurde, wir uns hauptsächlich von Nudeln ernährten, deren Konsistenz von Mal zu Mal mehr „al dente" wurde und der eine oder andere Kampf gegen extrem aggressive kleine Mücken nicht ausblieb, bauten wir am 24. August 08 unser Lager in Hathersage ab.

Die Reise war dort jedoch noch nicht zu Ende und der Flieger brachte uns nicht, wie man vielleicht annehmen möchte, nach Hause, sondern noch weiter hinauf Richtung Nordpol.

Das Ziel und somit der zweite Boxenstopp der Nordeuropa Tournee war Bärfendal, ein kleiner Ort am Aby Fjord in der historischen Provinz  Bohuslän, an der Westküste Schwedens - wiederum eine Gegend in der das Wetter im August deutlich schlechter sein kann als zu Hause.

NordeuropaSchon bei der Anreise lief Einiges anders als in England. Zum Einen hatten wir diesmal Handgepäcksstücke in der Gewichtsklasse 15 kg+, bekamen dafür aber keine Einschulung auf der Waage und zum Anderen setzte der Pilot den Flieger am Sonntagabend bei heiterem Himmel auf die Landebahn.

Ohne eine Cityrunde gedreht zu haben wie in Manchester, schnappten wir am nächsten Morgen unser Gepäck, setzten uns in den Bus Richtung Norden, fuhren zum Einstand gleich einmal an der richtigen Haltestelle vorbei  und landeten nicht wie geplant an der Kreuzung am Ende des Fjordes, sondern 30km weiter Richtung Meer, an der Mündung.Durch das ausgeklügelte Rabattkarten System des schwedischen Busunternehmens „Västtrafik", das zu durchschauen uns noch eine weitere halbe Woche beschäftigen sollte, kostete und dieser Ausflug zwar läppische acht Euro, dafür standen wir nach der Rückfahrt aber an der richtigen Kreuzung.

NordeuropaNach ca. einer Stunde Gehzeit mit jeweils einer 20 kg Tasche erreichten wir die Hütte des „Bohusläns Klätterklubb", in dessen Garten das Campieren erlaubt ist und uns war sofort klar, dass die Zustiege zu den Klettergebieten in den nächsten zehn Tagen kein Sonntagsspaziergang werden.Jeden Tag hieß es zuerst 4 km im Doppelsitz mit einem alten Waffenrad, das zufällig bei der Hütte stand, zu bewältigen, bevor es anschließend entweder zuerst noch mit dem Bus oder gleich für weitere 3-6 km, meist einer Schotterstraße folgend zu Fuß weiter ging. Autostoppen war selten möglich, da uns in der Regel nur der Briefträger begegnete.

Nichtsdestotrotz, wiederum getrieben von viel Motivation, war die Expedition „Schweden 08 - Walk'n‘Climb" ein super Erlebnis. Auf Grund des perfekten Sommerwetters, laut Locals, die beste Woche des ganzen Sommers, konnten wir auch ohne Auto in sieben verschiedenen Gebieten schöne Granitklassiker, wie „Slim Line", „Masken", „Hassan Chop", usw., alle im schwedischen Grad 7+, was bei uns dem oberen 8. Grad entspricht, onsight klettern.Kulinarisch ließen wir uns, ähnlich wie in England, auch in Schweden nichts abgehen und ernährten uns, nach dem Motto: „Gsund essn tien mor dorhoam wiedor!",  acht Tage lang von gegrillten Würsten und Cremerouladen.

NordeuropaPünktlich zur Abreise wurde das Wetter schlecht, was uns wie gerufen kam, da einerseits die Göteborg-Sightseeing-Tour noch ausstand und andererseits der Snusimport noch klar gemacht werden musste.Nach einer Nacht am Flughafen und ewig zu sein scheinenden sechs Stunden Wartezeit am nächsten Tag, setzten wir uns am 3. September nach Mittag, nach einem perfekten Klettertrip, dann doch in einen Flieger, der uns zurück in die Heimat brachte.

 

Nordeuropa

 

 

 

 

Bericht und Bilder: Gerhard Fiegl mehr Bilder und Infos auch unter www.gerhardfiegl.com

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